Gedanken zu "Erziehungsmethoden"

Ich habe in letzter Zeit viel in unterschiedlichen Blogs gestöbert und auch den einen und anderen Interview von bekannten Trainern gelesen. Es ist schon heftig wie stark sich die Meinungen voneinander abzweigen...

Da gibt es die Seilschwinger, die Clickerer, die Join-Upler, die Dominanten und bestimmt noch einige mehr. Und diese dulden natürlich absolut nichts von den anderen - nur die eine Art und Weise ist die Richtige - und zwar ihre eigene!


Warum kann

nicht alles funktionieren?

Die einen Pferde sind recht dominant, die anderen eher unsicher. Dann gibt es wieder sehr introvertierte und sehr extrovertierte Pferde. Es gibt Pferde, die lassen sich gerne anfassen und kraulen - andere wiederum mögen das gar nicht und wollen lieber einen Moment für sich um eine Sache zu verarbeiten. Und die einen machen für Futter alles, während die anderen lieber ausgiebig rennen und toben oder mit ihren Lieblingsball spielen wollen. Und das ist ja noch nicht alles. Es gibt so viele Individuen auf dieser Welt,

wie es Pferde gibt und jedes Pferd will eine Erziehung und ein Training haben, das auf das Wesen des Tieres abgestimmt ist und es Selbstbewusst und stark macht - genau das wollen wir doch erreichen? Ein Pferd, das in der Lage ist auf sich selbst aufpassen zu können, das auch in einer brenzligen Situation auf sich selbst vertrauen kann. Logischerweise müssen wir zuerst das Vertrauen des Pferdes uns gegenüber erarbeiten, sonst können wir es nicht lehren.


Lassen wir doch einmal alles gelten und suchen nach und nach das heraus, was unserem Pferd am besten gefällt - denn dann ist es kooperativ und schaut uns mit wachen und erwartungsfreudigen Augen an!

Ich komme aus der Druck und Dominanz Schiene. Das hat mit meinem damaligen Pferd gut funktioniert, denn er war Herdenchef und sah unsere gemeinsame Zeit mehr als Entspannung, da er endlich auch mal die Führung abgeben konnte. Gut, damals wusste ich auch keinen anderen Weg - eventuell hätte ich dann auch mal ausschließlich die positive Verstärkung ausprobiert. Bei meinem Pferd Néo hingegen, ist Druck und Dominanz das absolute no go... Er explodiert regelrecht bei zu viel Druck oder büffelt einfach irgendwo hin. Doch auch bei ihm geht es nicht nur mit positiver Verstärkung. Denn da ist er einfach zu clever - wenn er nicht muss, dann macht er auch nichts - Energiesparmodus ;-)

Der Druck, den ich aufbaue ist so minimal, das ist dann einfach  nur ein Handzeichen in der Luft, die Steigerung: ein Bewegen der Hand in die Richtung in der er z. B. gehen soll. Die nächste Steigerung: mehr Energie in mich bringen und forscher "befehlen" (da ich in einigen Blogs gelesen habe, dass "anfragen" ja nicht das richtige

Wort ist, wenn man trotzdem darauf beharrt, dass das Pferd es tun soll ;-)) und wenn gar nichts mehr geht, berühre ich ihn. Aber nur mit einem Hauch einer Fliege und das so lange, bis er die gewünschte Bewegung durchführt. Eine Fliege nervt nämlich. Und eine Fliege reicht auch, dass ein Pferd den Kopf vom Gras abwendet um die Fliege zu verscheuchen.

Mehr kommt bei mir nicht in Frage, denn wenn ich mehr Druck - also wie das Touchieren mit der Gerte - aufbringe, dann bricht fast eine Panik in meinem Pferd aus. Und jeder weiß, unter Stress kann man nicht lernen.

Wenn er also wie gewünscht reagiert hat, gibt es ein Leckerli und ganz viel Lob durch Stimme und kraulen. Leckerlis natürlich nur, wenn es etwas Neues ist oder wenn er etwas altes perfekt ausgeführt hat. Das ist so unsere Herangehensweise im Training.

Ich achte auch immer auf seinen Blick, ob ich zu viel von ihm verlange.


Und wie ist es

im alltäglichen Umgang?

Unsere Regeln sind klar definiert. Ich will z. B. dass mein Pferd Dinge, die ihn interessieren, anschaut und beschnuppert. Deswegen warte ich in diesem Fall ab, ob er dahin gehen will und lasse mich in diesem Moment führen. Ich will ihn ja Selbstbewusst und mutig machen. Wenn er es mit der Nase berührt oder deutlich entspannter ist, lobe ich ihn sehr. Und dann gehen wir weiter ohne, dass er drängelt oder schubst, weil er plötzlich meine "Rangordnung" in Frage stellt... Genauso auch, wenn wir spazieren gehen und er einfach weiter vorne läuft und ich sozusagen an seiner Schulter bin - bitte verteufelt mich nicht! Das lasse ich auch zu, wenn gerade keine Straße oder Spaziergänger etc. in der Nähe ist. Am Anfang war ich da natürlich sehr skeptisch und habe immer mit viel stress versucht mein Pferd hinter mir zu lassen. Aber das hat ihn nur total aufgeregt (zu viel Druck) und unsicher gemacht, da ja ständig auf ihn ein geprasselt wurde.

Heute lass ich ihn auch mal vor gehen. Das heißt aber nicht, dass wir keine Kommunikation mehr haben. Denn wenn ich stehen bleibe, bleibt auch er sofort stehen. Wenn ich abwende, macht auch er es sofort, ohne dass Spannung ins Seil kommt. Und wenn ich dann doch will, dass er weiter hinten geht, brauch ich  nur "laaaangsam" zu sagen und er geht langsamer, bis er wieder in der normalen Führposition ist. Und da frage ich mich: Muss man denn immer auf Teufel komm raus auf eine Sache beharren?

 

Beim Grasen z. B. lasse ich (wenn möglich) so gut es geht, den Druck komplett weg. Denn ich will, dass mein Pferd ohne am Strick reisen zu müssen, auf Signal vom Gras weggeht ohne Sauer zu werden oder gleich wieder hin zu wollen. Es hat lange gedauert, aber nun reicht es, dass ich seinen Namen rufe und sage, dass er kommen soll. Er kommt, er bekommt ein Leckerli und dann gehen wir weiter. Weil er weiß, dass er Grasen darf, wenn ich ihm es erlaube und er nachdem er weg ist vom Gras, nicht das Positive nicht mehr hat, sondern das Leckerli als kleinen Ersatz.


Und noch

eine Anmerkung als Abschluss ...

Eine bekannte Trainerin (arbeitet nach Join-Up und der DominanzTheorie) hatte mal in einer Zeitschrift die Vergabe von Leckerlis kritisiert... Sie meinte dazu, dass es unnatürlich ist, Pferde Leckerlis zu geben, da diese in der Natur nicht um Futter kämpfen müssen und es somit für sie keine Belohnung darstellt. Gras ist immer verfügbar und habe nicht diesen Effekt, wie es bei Hunden der Fall ist.

Findet ihr auch, dass das Quatsch ist? Zumindest diejenigen, die auch mit Leckerlis arbeiten ;-) Oder vergleichen wir das doch mal mit der Menschenwelt... Als Kind, wenn ihr das Zimmer aufräumen musstet. Wann hättet ihr mit Freuden euer Zimmer aufgeräumt?

1.

Wenn die Mutter laut schreiend ihre Macht demonstriert und dir keine andere Wahl lässt, weil du sonst z.B. sonst nicht zu deiner Freundin dürftest?

 

oder

 

2.

Wenn deine Mutter dir einen Eisdielenbesuch ankündigt, nachdem du aufgeräumt hast - obwohl in der Küche lauter Leckereien für dich frei zur Verfügung stehen?


MEIN BLOG IST UMGEZOGEN!

Hier sind nur noch die älteren Einträge vertreten.

Wenn du weiterlesen und Neues entdecken möchtest, dann klick bitte auf folgenden Link.

Danke und bis gleich auf meinem neuen Blog!


DAS KÖNNTE DICH INTERESSIEREN


Kommentar schreiben

Kommentare: 0