Meine Meinung zu "wer bewegt wen"

Eine der wichtigsten Dinge in der Pferdeerziehung scheint wohl der Grundsatz "wer bewegt wen" zu sein, welches aufzeigen soll, wer sozusagen Leittier ist.

Mir ist jedoch klar geworden, dass dieser Grundsatz nicht wirklich fundiert ist. Denn seit einiger Zeit gewöhne ich mein Pferd an verschiedene "gefährliche" Dinge und halte mich gar nicht daran...


Zum Beispiel das Gewöhnen an den großen Gymnastikball

Mein Pferd ist sehr ängstlich gegenüber neuen Dingen, aber zum glück bringt er immer genügend Neugierde auf um diese Angst zu besiegen. So war das auch mit dem großen Ball, der in der Ecke in der Halle lagert. Im August, als es so heiß war, habe ich vermehrt freie Bodenarbeit gemacht und ihn Schritt für Schritt an dieses "Ungeheuer" herangeführt. Ich habe dabei mehrere Sachen ausprobiert um ihm zu zeigen, dass der Ball absolut nicht gefährlich ist - auch wenn er so unkontrolliert auf ihn zurollt. Doch immer wenn ich damit zu ihm kam, wollte er nur weg. Auch wenn ich ihn immer von ihm weg gerollt habe, falls er mal ein paar Schritte darauf zu kam. Das war für ihn einfach alles zu viel.

Also ließ ich diesen Ball da wo er ist und ermunterte meinen Néo diesen einfach nur zu berühren.

Dann gab es viel Lob und ein Leckerli.

 

Klar, dass er dann natürlich vermehrt zu mir wollte - da hatte ich eine Idee und nutzte dieses "zu mir wollen" einfach mal aus! Denn das Berühren klappte schon sehr gut, ich wollte aber, dass er diesen Ball wegstoßt, egal ob mit Nase oder Huf.

Der Ball war also zwischen uns und ich lockte ihn an. Sobald er jedoch daran vorbei wollte, ging ich wieder in diese Position, damit der Ball weiterhin zwischen uns blieb.


Ich merkte richtig, wie es im Kopf meines Pferdes zu rattern anfing "Was zum Teufel will die denn von mir?!"

Immer wenn er also einen Schritt mehr in Richtung Ball machte, lobte ich ihn überschwänglich. 

Es wurde dann wirklich lustig! Wie beim Cutting bewegten wir uns hin und her - der Ball immer zwischen uns. Nach und nach verlor er durch das Spiel die Angst vorm Ball und hatte den Willen unbedingt dieses Rätsel zu lösen.

Nach einiger Zeit - er hatte dann doch immer mal wieder den Ball kurz angestupst - machte es "bling" im Köpfchen und er begriff. Ball anstupsen bringt Lob und Leckerlis - das war also die Lösung!

Und plötzlich hatte ich ein Pferd, das durch Spiel und Spaß gelernt hat, dass der Ball echt cool ist.

Ohne Zwang, ohne aufdrängen und ohne Angst.


So ähnlich geht es nun auch mit der raschelnden Plane weiter

Da der Ball ja nun sein bester Kumpel ist mache ich seid heute mit der Plane weiter. Wenn sie zusammen gefaltet war, war er schon mutiger und berührte sie mit der Nase. Lag sie jedoch am Boden, war sie fürchterlich Angst einflößend... Doch als ich dann wieder mit dem Cutting-Spiel anfing, verirrte sich doch mal ein Huf auf der Plane und er bekam sein wohlverdientes Leckerli.

Und nun zum "Wer bewegt wen" Grundsatz

Ja, in diesen Momenten hat er mich bewegt. War ja auch so gewollt.

Und nein, ich habe absolut und überhaupt nicht bemerkt, dass mein Pferd ganz plötzlich  meine Position in Frage gestellt hätte!

Ich habe es sogar heute nochmal wissen wollen, ob das wirklich etwas ändert:

 

Als er in seiner Box war, war bereits das Futter im Trog. Also dachte ich mir, teste ich das doch gleich mal... Ich ging hinein und ohne irgendeine Drohgebärde zu machen oder ihn zu zeigen, er solle zurück gehen, zu seinem Futtertrog hin. Und siehe da! Er ging sofort weg, ohne einen Mucks...

 

 

Gut vielleicht lag es daran, dass es im Spiel war und er es gut unterscheiden konnte, was da wirklich los war. Wenn er her kommen würde und mich wirklich beiseite schieben wollen würde, sähe das Ganze natürlich auch ganz anders aus. Deswegen bin ich der Meinung, dass man diesen Grundsatz nicht in jeder Situation folge leisten sollte. Wie z. B. im Spiel. Oder bei brenzligen Situationen, da ist es für den Menschen ja schon fast Lebensnotwendig beiseite zu springen, wenn sich ein über 500 kg - Koloss erschrickt und in die Richtung springt. Und in diesem Moment dann auch noch eine Korrektur mit von wegen "wer bewegt wen" durchzuführen, halte ich ebenfalls für sehr Fragwürdig...


Es gibt einfach keine festen "Methoden", die immer und in jeder Situation gelten können!

Es ist so wichtig, das Pferd kennen zu lernen und selber heraus zu finden, wann was passt und wann eben nicht. Klar, Rückschritte gehören dazu, vielleicht auch solche, die man länge wieder korrigieren muss. Aber erst dann hat man das Pferd kennengelernt und daraus gelernt!

Wenn ich eine Sache weitergeben möchte, dann ist es diese:

Bitte hört auf euer Bauchgefühl und beschäftigt euch mit der Pferdesprache, dann braucht ihr keine "Methoden" oder "Techniken" - dann kommuniziert ihr!


MEIN BLOG IST UMGEZOGEN!

Hier sind nur noch die älteren Einträge vertreten.

Wenn du weiterlesen und Neues entdecken möchtest, dann klick bitte auf folgenden Link.

Danke und bis gleich auf meinem neuen Blog!


Kommentar schreiben

Kommentare: 0