Wie die Angst im Gelände verschwindet

So viele Dinge sind geschehen, die einen verfolgen und auffressen... So war es bei mir, wenn ich mit meinem Pferd ins Gelände ging.

Als er noch jung war, war das nie ein Problem - selbst wenn wir uns von Pferden getrennt hatten.

Und diese Zeit war als er 3 - 4 Jahre alt war! Irgendetwas verunsicherte mich, ich glaube, dass ich dachte ich wäre vom reiterlichen Können her nicht gut genug für ihn. Und so suchte ich nach einer erfahrenen Reitbeteiligung...


Wie sich die

Angst entwickelt hat

Sie war super nett und hatte eine tolle Art mit Pferden umzugehen. Da sie aber bereits viel mit Hengsten zu tun hatte, war sie recht Dominant gegenüber meinem Pferd. Ich wollte eigentlich mit ihm über die positive Art und Weise kommunizieren - da machte sie mir einen fetten Strich durch die Rechnung - mein Pferd respektiert mich nicht und ich bin zu lieb zu ihm... Autsch... Da ich sowieso schon verunsichert war, schrien mich meine Selbstzweifel böse an. Und so kam ich zurück in die Druck und Dominanzschiene. 

Mit der mein Pferd aber ganz und gar nicht umgehen konnte... Mehrmals riss er sich schon beim longieren los, da ihm der Druck zu groß wurde. Im Galopp brach er am Zirkel aus, da es ihm einfach zu viel wurde. Im Gelände haute er ab, da er einfach nicht mehr bei mir bleiben wollte. Ich zog mich mehr und mehr zurück, weil ich zum einen dachte, dass ich absolut gar nichts kann und mehr kaputt mach als richtig und zum anderen, weil ich eine riesen Angst entwickelte.


Die Angst, überhaupt etwas mit meinem Pferd zu machen, verschwand zum Glück mit dem Beziehungsaufbau - jedoch blieb sie, wenn es ins Gelände ging...

Alleine, wie früher, ging nicht mehr... Selbst das Spazierengehen war mehr Stress als entspannend. Zwar riss er sich nicht mehr los, aber er führte sich so arg auf und ich wusste einfach nicht, wie ich ihm Halt und Kraft übersenden sollte, wenn mir selbst die Beine schlotterten...

Und so ging ich über ein Jahr mit einer netten jungen Frau und ihrem Traber-Wallach so gut wie jede Woche ins Gelände.

Dummerweise war dieses Pferd auch nicht wirklich Schreckfrei und übertrug auf mich und meinem Pferd eine stetige Anspannung. Leider bemerkte ich das erst ziemlich spät, als es einfach nicht besser, fast schon schlimmer, wurde.

Und dann ließ ich es einfach sein.

 

Auch wenn ich das Gelände noch so vermisste, es hatte keinen Sinn uns da raus zu quälen um doch keine Fortschritte zu machen. Und so arbeitete ich einfach weiter am gegenseitigen Vertrauen...

 

Ich habe natürlich wieder meine positive Art und Weise mit ihm umzugehen aufgenommen, da es das Einzige ist, das ihm bei mir hält - und mal ehrlich, welches Pferd bleibt denn nicht lieber bei Jemanden, der lieb und ruhig ist? Es gab auch kein stressiges "bleib hinter mir" - Seil geschüttle, was auch erheblichen Stress und Druck aus meinem Pferd raus nahm. Es war schon heftig, wie sich unsere Stimmung gleichermaßen wieder beruhigt hatte, als ich diesen Druck einfach raus genommen hatte.


Schritt für Schritt

zum Grasen weiter hinaus - das war eine gute Vorübung

Durch diese neue positive Verknüpfung für uns beiden, dass Gelände auch Pausen mit leckerer Grasaufnahme bedeutete, entspannten wir uns beide mehr und mehr.

Wenn ich ihn nach unserer "Sport-"Einheit auf die Koppel brachte und ich mich dazu setzte, suchte er immer ein schönes Plätzchen direkt in meiner Nähe zum grasen.

Das war für mich Beweis genug, dass er mir vertraute, denn Pferde suchen sich nur die Nähe, wenn sie sich dort sicher und wohl fühlen. Das tat er sogar, als seine ganzen Kumpels auf der Weide waren. Und so hieß es für uns:

Wir können den nächsten Schritt wagen! :)

Also ging ich die nächsten Male mit anderen braven Pferden spazieren. Das war für uns ein guter Halt, da wir uns beide an die anderen orientieren konnten. Und ich nicht anfing blöde Gedanken in meinen Kopf zu lassen.

Was mir auch sehr weiter half, war die Dinge zu benennen, die ihm Angst bescherten oder ihn gar auf Sachen aufmerksam zu machen, die er noch  nicht entdeckt hatte. Nur durch das Reden und zeigen, wurde ich wieder lockerer und ich meine, dass er mehr und mehr in mir einen Beschützer sah.

Wenn ein Traktor im Wald war oder eine komische Plastikplane, dann bin ich mit ihm hin und hab ihm alles gezeigt, wenn er brav vorbei ist oder das komische Dinge berührte, gab es viel Lob und ein Leckerli - danach sah er richtig stolz aus! Es gab einfach keine negative Stimmung mehr! Es wurde lustig, spannend und voller Abenteuer, die es zu meistern galt. Die Welt wurde für uns zu einem Spielplatz!


Dennoch muss ich

darauf achten, in keine Selbstzweifel mehr zu kommen

Denn es gibt einfach Situationen, die können wir noch nicht beim Reiten meistern. Also steige ich im Gelände bestimmt gute 5 mal ab um ihn ein Stück zu führen. In einer Situation mussten wir eine Brücke, welche über einem plätscherten Bachlauf war, überqueren. Klar, habe ich erst einmal geschaut, ob er dem Pferd vor ihm einfach folgt. Dem war aber nicht so, er bremste und schaute angespannt. Also stieg ich ab - unter uns war Gras - und er fing das Fressen an. Egal, ich ging einfach weiter, er kommt ja gleich mit. Wir gingen über die gefährliche Brücke und er bekam ein Leckerli. Mein mutiges Pferd! Die Meinung der Mitreiterin war jedoch anders. Sie meinte, ich solle mich doch durchsetzen - ich hätte ja bemerkt, dass er mich nur verarscht, da ein Fluchtbereites Pferd nicht grast. Sie meinte, ich hätte ihn "überzeugender" über die Brücke treiben sollen. Da ich aber gerade solche Situationen vermeiden möchte, wo unnötiger Druck entsteht und unser Verhältnis beeinflussen könnte, habe ich diesen "Rat" nicht weiter befolgt... Dennoch geisterten diese Worte in meinem Kopf umher - "er verarscht mich ja nur". Aber wenn ich über sein Verhalten nachdenke, sucht er sich immer etwas, wo er rein beisen kann, wenn er nervös ist. Und sei es das Pferd vor oder neben ihm. Oder irgendwelche trockenen Äste. Eventuell weiß er, dass kauen wieder lockert und beruhig? Und er will sich dann einfach nur ablenken, vielleicht auch versuchen die Situation zu vermeiden? Nur Interpretationen, doch kommen diese mir plausibler vor, als dass er mich verarscht. Warum sollte er das tun? Viel hat er ja nicht davon, schließlich gehen wir ja so oder so daran vorbei. Und am Boden vertraut er mir mittlerweile so stark, dass es bis jetzt nie ein Problem gab, das wir gemeinsam nicht hätten lösen können. Außerdem bin ich der Meinung, das Pferde vielleicht Grenzen austesten und abstecken können, jedoch nicht gezielt verarschen um für sich einen Vorteil zu ziehen.


Nein!

Ich möchte nicht mehr mit Gewalt etwas durchsetzen!

Und wenn es ein Trick war, bewundere ich ihn dafür, was für ein erfinderischer Kerl er doch ist! Aber dann wird weiter gemacht. Und das war nie ein Problem! Warum sollte ich auf etwas mit Druck bestehen, wenn doch alles, so wie ich es mit ihm mache, gut funktioniert?! Dann dauert es eben länger und ich muss dafür öfters absteigen - aber ich bin doch jung und habe Zeit!

 

Jedenfalls habe ich endlich keine Angst mehr, da wir nun ein tolles Vertrauensverhältnis haben und ich ihn in jeder Situation positiv unterstützen kann. Ich weiß wann er mich am Boden braucht und ich spüre, wann er wieder selbst den Mut hat, voran zu gehen.

Sicher gibt es noch Dinge, die für uns eine Nummer zu groß sind und uns beiden die Beine schlottern und ich ihm dann auch keine Stütze mehr sein kann. Aber das werden wir auch noch hin bekommen. Mit der Zeit.

Ich bleibe auf meinem positiven Weg und lasse mich nicht mehr beeinflussen, von Kommentaren, die einen dazu auffordern sollen, meinem Pferd weh zu tun.

Dass es auch ohne Druck, Gewalt und Dominanz geht, habe ich bereits bewiesen, als er 3 - 4 Jahre jung war und beweise  es nun wieder. Gemeinsam sind wir stark!!!

Danke noch an Babette Teschen und Tania Konnerth von

Wege zum Pferd.

Jedes mal, wenn ich verunsichert bin, ob ich denn eigentlich alles falsch mache, lese ich ein paar Geschichten von ihnen und ihren Pferden und ich fasse wieder Selbstvertrauen und Bestätigung, dass der Weg, den ich gehe, ein guter Weg ist!


Habt ihr auch ähnliche Erfahrungen gemacht? Wie habt ihr das mit euren Pferden gemeistert?

Ich freue mich auf eure Geschichten!

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Kommentare: 4
  • #1

    Daniel (Sonntag, 18 Oktober 2015 18:31)

    Bin grade vom "Herzenspferd" bei Dir auf die Seite abgebogen und frage mich, warum ich hier vorher noch nicht gewesen bin. Naja, dann habe ich jetzt wieder ein bisschen mehr Lesestoff. Optisch ist Dein Blog schonmal herausragend. LG
    Daniel

  • #2

    Christina (Sonntag, 18 Oktober 2015 19:05)

    Hallo Daniel,
    vielen lieben Dank! Da freue ich mich! :-))
    LG

  • #3

    Anika (Montag, 29 Februar 2016 20:44)

    Da schließ ich mich an! Schön geschrieben, das ist alles so wahr, wie du es beschreibst... Mache mit meiner Ruby gerade auch diese Phase durch, wo wir noch zusammen wachsen müssen - eine tolle Inspiration, deine Geschichte hier!
    LG
    Anika

  • #4

    Christina - Autor - (Dienstag, 01 März 2016 17:49)

    Hallo Anika,
    vielen Dank für dein Feedback und es freut mich, dass du dich von uns inspirieren lässt ;-)
    LG