Auch Pferde dürfen mal "nein" sagen!

Ich habe schon länger so gehandelt, dass ich meinem Pferd ein gewisses Mitspracherecht eingeräumt hatte - habe es aber erst nach dem Artikel


Ja, ich setze meinen

Willen nicht mehr jedes Mal durch!

Da ich dieses Mitspracherecht schon länger eingeräumt habe, war da eine Entwicklung, die ich ohne diesen Artikel von Babette Teschen, gar nicht erst entdeckt hätte! Ganz genau - mir ist ja nicht einmal aufgefallen, dass sich etwas geändert hatte, bei meinem Pferd - vor allem nicht in das Negative!

Ich wusste, dass es zwischen uns sehr positiv, harmonischer und lustiger wurde, aber dass dabei das Mitspracherecht so wichtig war, erkannte ich erst heute.

Erst am Samstag hatte ich genau so eine Situation... Ich wollte mein Pferd mal wieder etwas mehr bewegen und das unter dem Sattel. Es war schon ca. 19 Uhr und alle Pferde waren in ihren Boxen und fraßen oder dösten. Egal von wo ich ihn hole, ob vom Paddock oder aus der Box heraus - schon da kann er entscheiden ob er will oder nicht. Bis jetzt wollte er immer :-)

(Vielleicht auch ein Zeichen, da er wusste, dass ich ihm nicht mehr meinen Willen aufzwingen möchte?)

 

Paddock: Ich rufe ihn und er bewegt sich dann auf mich zu, schon da merke ich, wie seine Laune so ist und kann bereits ein paar Dinge ausschließen bzw. umdenken.

Box: Ich mache die Tür auf und warte um der Ecke mit dem Halfter. Bis jetzt kam er immer von selbst hinaus und schlüpfte in das Halfter hinein. Auch da kann ich schon "herauslesen" wie 

 

 

motiviert er ist, also wie schnell er sozusagen raus kommt oder ob er doch länger zögert und kann so unsere gemeinsame Zeit besser anpassen.

Das ist schon mal das erste Mitspracherecht, welches er so schon unbewusst hat.

Und manchmal passiert es eben, dass ich mir trotz seiner Laune etwas vornehme und dann liegt es an mir ihn dementsprechend zu motivieren. Meistens gelingt es mir auch und er macht fleißig mit.

Doch zurück zum Samstag:

Als ich also mit dem Sattel hinaus kam, wollte er mir noch einmal sagen, dass er einfach nicht in Stimmung fürs Reiten ist, indem er den Sattel deutlich mit der Nase wegstupste. Ich lasse ihn nämlich immer erst einmal daran schnuppern, meistens gräbt er etwas mit seiner Oberlippe dran rum, aber wegstupsen war neu. Dummerweise wollte ich da aber an meinem Willen, ihn richtig unter dem Sattel zu bewegen, fest halten. Also sattelte ich und ging in die Halle.

Runde um Runde im Schritt und er wurde immer Angespannter und nervöser. Es war etwas windig, aber nicht so stark, dass es ausschließlich wegen dem war. Er fühlte sich einfach unwohl, weil er keine lust hatte heute geritten zu werden. Also zeigte er es eben durch etwas anderes.

Also, weg mit meinem Willen, runter mit dem Sattel...


Und ich schaute, was er mir denn dann in der Freiarbeit so anbieten würde ...

Da ich ihn dennoch bewegen wollte, pendelten wir uns so ein, dass wir gemeinsam trabten und ich ihn auch hin und wieder um mich herum schickte, sprich: freies longieren - und das klappte besser denn je!

Er hat sich also extrem angestrengt, da er bemerkte, dass ich auf seine Wünsche eingehe und wollte mir dann einfach etwas zurück geben. Er ging sogar von selbst durchs Genick und in Stellung! Ernsthaft, das war so schön!

Also habt keine Angst euren Willen auch einmal beiseite zu schieben

Es passiert nichts. Ein Pferd denkt nicht gleich, nur weil du dich nicht durchgesetzt hast, dass er jetzt der Boss ist - im Gegenteil! Genau dann denkt es, dass du der Perfekte Führer und Freund bist, da du auch auf Wünsche und Bedürfnisse des Anderen eingehst und vor allem auch erkennst! Natürlich gibt es Dinge, die einfach sein müssen, wie z.B. bei gefährlichen Sachen, Wurmkuren, Impfungen, Transporten etc. Aber da gilt auch noch: So sanft und positiv wie möglich bleiben!


Wie sieht es mit eurem Mitspracherecht aus und welche Erfahrungen habt ihr schon gesammelt? Ich freue mich auf eure Geschichten!

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Kommentare: 2
  • #1

    Anika (Montag, 29 Februar 2016 19:29)

    Hi
    Ein schöner Blog! Und tolle Texte! Finde jetzt aber speziell diesen Text wirklich herausragend... Wie oft hört man, dass man sich unbedingt durchsetzen muss, weil man sonst das Gesicht vorm Pferd verliert? Oder der Gedanke, dass das Pferd einem in diesem Moment einfach nur veräppelt, bringt einen schon dazu, es gar nicht erst zu zulassen, darüber nachzudenken, ob heute einfach nicht der Tag "dafür" ist... Ich finde es schön, dass du das hier angesprochen hast und vor allem schon deine eigenen Erfahrungen damit gemacht hast - im postivien Sinne! Den Mut muss ich erst noch aufbringen, auch Ruby und ich sind noch in der Umbruchphase und ich hoffe auch, dass ich irgendwann meine Stute besser verstehen lerne und die alten Floskeln von früher vergessen werde.
    Viele Grüße
    Anika

  • #2

    Christina - Autor - (Dienstag, 01 März 2016 09:05)

    Hallo Anika,
    vielen Dank für deinen lieben Kommentar! Ich bin sicher, dass du das bald schaffst, auf dein Bauchgefühl vertrauen zu können. Wenn man einmal den Gedanken und das Wissen hat, was Pferdefreundlichkeit wirklich bedeutet, kann es nur noch vorwärts gehen :) Lass dich nur nicht entmutigen, wenn es länger dauern sollte, oder sich doch einmal das Alte eingemischt hat ;-)
    LG