Die Sache mit dem Vertrauen

Da ich gerade auch wieder daran arbeite, Vertrauen zu gewinnen und zu vergeben, wollte ich  nun hier einmal meine Erfahrungen über dieses "Mysterium" aufschreiben. Ganz am Anfang, war es da doch mit der Zeit hat es sich irgendwie verloren... Bis ich heraus fand, dass ich vom Weg abgekommen war. Denn wie soll ich verlangen, dass mein Pferd mir vertraut, wenn ich mir doch selbst nicht mal

vertraue? Also habe ich an mir gearbeitet... Erst jetzt mache ich mich langsam daran, es mit Pferden zu versuchen und es haben sich schon die ersten postiven Ereignisse ergeben. So wächst natürlich gleichzeitig auch das Vertrauen in mir und meinem Tun weiter - mal ein wunderschöner "Teufelskreis" ;-) Aber nun erklär ich hier ersteinmal den Anfang dafür.


Wie definiert

man Vertrauen überhaupt?

"Vertrauen ist in psychologisch-­persönlichkeits­theoretischer Perspektive definiert als subjektive Überzeugung von der (oder auch als Gefühl für oder Glaube an die) Richtigkeit, Wahrheit bzw. Redlichkeit von Personen, von Handlungen, Einsichten und Aussagen eines anderen oder von sich selbst (Selbstvertrauen). Zum Vertrauen gehört auch die Überzeugung der Möglichkeit von Handlungen und der Fähigkeit zu Handlungen. Man spricht dann eher von Zutrauen."

Das steht als Definition im guten alten Wikipedia... So richtig schlau wird man von diesen Buchstabengewirr nicht wirklich. Deswegen versuche ich es mal mit eigenen Worten erklären: Vertrauen kommt vom Wort "trauen", man traut sich also zu vertrauen. Als wüsste man

 

schon damals, als die Sprache so"entwickelt" wurde, dass es schwierig ist vertrauen aufzubauen. Egal ob zu einem anderen Menschen, zu sich selbst oder zu einem Tier. Man lässt sich fallen, man gibt sich für diese Person oder für dieses Tier regelrecht hin und hinterfragt immer weniger. Gesundes Vertrauen ist wunderschön und kann einem einiges an Stress nehmen, doch es ist sehr schwer welches aufzubauen. Natürlich gibt es Menschen und Tiere, die von Natur aus Vertrauensseliger sind als andere, doch dennoch muss man es sich immer wieder neu verdienen. Wenn wir nun mit unseren Gedanken zu unseren Pferden gehen - nichts ist schöner, als ein freudiges Pferd, welches sich immer eine Rückmeldung von seinem Menschen holt, sobald es unsicher wird und vieles mit sich machen lässt, da es sich voll und ganz auf seinen Menschen verlassen kann.


Und wie

kann man dies nun erreichen?

Dummerweise gibt es kein Erfolgsrezept nach 10 Schritten oder ähnliches. Vertrauen ist ein Gefühl, das man im Pferd erwecken kann, wenn man stetig beweist, dass man es wert ist. Das Vertrauen eines Pferdes muss man sich verdienen und es ist nicht auf Fingerschnipps da. Die meiste Arbeit steckt man (als Pferdefreund, eher weniger als ambitionierter Turniergänger) in das Erreichen des Vertrauens seines Vierbeiners. Doch die ganze Arbeit wird nichts nützen, wenn wir nicht zu allererst auf uns selbst schauen... Wie stehen wir zum Vertrauen? Können wir einer Person zu 100% vertrauen, oder herrscht doch auch immer ein gewisser Misstrauen? Wie steht es mit dem Vertrauen zu uns selbst? Wissen wir, dass wir tolle Eigenschaften und Fähigkeiten besitzen und vertrauen wir auf diese, wenn es darauf ankommt?


Der Anfang

liegt bei uns selbst...

Meistens ist es so, dass der Mensch eine leichte selbstzerstörerische Ader in sich hat. Es ist schwierig durchwegs positiv zu denken, vor allem über einem selbst... Doch solange man sich selbst nicht vertrauen kann, kann man dies auch  nicht von anderen erwarten! Man strahlt immer etwas aus, egal wie man versucht zu sein und unsere Pferde bemerken die Wahrheit hinter der ganzen Fassade. Also müssen wir uns erst einmal bewusst werden, welche Fähigkeiten und Eigenschaften wir an uns schätzen. Eine Auflistung hilft dabei sehr gut, da man sich den Text immer wieder durchlesen kann, besonders an schlechten Tagen. Man kann auch Freunde fragen, falls einem selbst nicht genügend Dinge einfallen. Um einen 

Zusammenhang auch zum Pferde-Alltag zu finden, kann man nun diese Eigenschaften und Fähigkeiten sortieren, indem man bestimmte Situationen, die man mit dem Pferd hat, wo Vertrauen erforderlich ist, aufschreibt. Unter diese Punkte kann man nun einordnen, wann eine gewisse Eigenschaft oder Fähigkeit in diesem Rahmen passen würde. Vielleicht fallen dir plötzlich noch mehr positive Seiten an dir selbst auf.

Oftmals hilft es ungemein, wenn man schon vor einer "schlimmen" Situation, ausgemalt hat, was man tun kann, damit es nicht ausartet. Man fühlt sich dann nicht hilflos und dieses Gefühl bemerkt natürlich auch das Pferd.


Doch eine Sache ist wohl die Wichtigste dabei:

Authentizität und damit auch Ehrlichkeit!

Wie ich schon erwähnt habe, können wir unsere Gefühle vorm Pferd nicht verbergen. Das heißt, dass man gar nicht erst die Angst, die an einem langsam hoch kriecht, verbergen oder überspielen sollte. Das hat keinen Sinn. Besser wäre es, es sich einfach einzugestehen und kurz innehalten und etwas dagegen zu tun. Atemübungen helfen einen sehr und bringt gleichzeitig auch das Pferd in eine Entspannung hinein. Wenn man sich nur auf seinem tiefen Atem konzentriert, können schon keine anderen Gedanken das Ruder in die Hand nehmen.

Ich muss noch eine Geschichte erzählen, die auch gut zu Authentizität passt:

Es war an einem schönen Tag - sonnig, aber nicht zu warm und nicht zu kalt - ich entschloss mich mit meinem Néo auf den Platz zu gehen und ihn etwas zu gymnastizieren. Dummerweise fuhr dann gerade ein Mähdrescher zum Feld, direkt angrenzend zum Platz, hinüber. Ich war dennoch guter Dinge und ritt einfach weiter. Doch mein Fribi fand das doch nicht so normal und bekam schreckliche Angst. Mir wurde es dann doch auch recht schnell mulmig...

Also stieg ich ab und machte etwas am Boden, Übungen, bei denen wir uns beide immer wieder ganz gut entspannen können.

Als der Mähdrescher endlich fertig war, fing es plötzlich an sehr windig zu werden. Am Platzende stand ein mit Plane überdecktes Plätzchen zum sitzen. Diese Plane flatterte dann herum und der eh schon angespannte Néo machte einen Satz auf mich zu.

In dieser Situation bemerkte ich, dass dieses ganze Übungen-machen nur ein Ablenken und herunterspielen meiner Gefühlswelt war. Auch ich war angespannt wie ein Bogen und wusste, dass er natürlich  nicht entspannen konnte, wenn bei mir alles so widersprüchlich zugeht...

Ich weiß auch nicht warum, aber ich musste plötzlich weinen. In diesem Moment fiel jegliche Spannung von mir ab, ich fühlte mich im hier und jetzt und war völlig geerdet - obwohl ich heulte. Ich zeigte Authentizität, das erste mal wohl, seit wir auf diesen Platz gingen, und plötzlich entspannte er sich, kam ein paar Schritte zu mir, ließ seinen Hals locker fallen und schnaubte ab.


Keine Angst vor "Schwäche"

Denn jeder der Schwäche zeigt, beweist wie mutig er ist!

Das hat mir mein Pferd in dieser Situation gezeigt. Ich habe die ganze Zeit versucht meine Gefühlswelt vor ihm zu verbergen und wollte zeigen, wie mutig und ruhig ich doch  bin. Aber diese Widersprüchlichkeiten (einerseits innerlich aufgewühlt, angespannt und ängstlich und nach außen hin zeigte ich eine total gegenteilige Facette) verwirrten ihn total. Er wusste, er kann sich  nun nicht auf mich verlassen, da ich nicht echt bin. Erst als ich meine Gefühle zugelassen hatte und sie auch nach außen hin zeigte, vertraute er mir wieder und suchte meine Nähe - obwohl ich in diesem Moment alles andere als Souverän war!


Die kleinen Dinge sind es,

denen wir die Beachtung schenken sollten

Wenn man also alles mit sich selbst geklärt hat, sich also selbst vertraut, kann man nun mit seinem Pferd weiter machen. Dabei ist es ziemlich einfach, denn die schwierigsten Situationen passieren nun mal in der weiten Welt - also im Gelände. Durch jeden Spaziergang kann man das gegenseitige Vertrauen Schritt für Schritt steigern. Indem man für das Pferd richtig reagiert, wobei es wichtig ist, hierbei nicht immer seinen Kopf durchzusetzen, sondern auch auf sein Pferd einzugehen. Das heißt, wenn dein Pferd vor einem Gegenstand so große Angst hat, dass es eher ein Kampf wird, es dahin zu führen, sodass es daran schnuppern kann, solltest du im angemessenen Abstand stehen bleiben. Es reicht auch, wenn das Pferd es sieht, auch hierbei lernt es, dass dieses "Ding" nicht angreifen wird. Sobald das Pferd wieder entspannt steht, kann man seine Runde fortsetzen. 

Das nächste Mal kann man sich auch mal näher ran wagen. Wichtig hierbei ist natürlich auch immer eine entspannte und positive Stimmung, mit viel Lob fürs Pferd, egal ob es diese bestimmte Sache schon kennt und dennoch erst einmal scheut. Manchmal nehmen Pferde etwas anders wahr, von der anderen Seite aus oder wenn es die Sache bei Sonnenschein kennengelernt hat, kann es bei Wolken komplett anders wirken. Genauso auch Gerüche. Es scheint, als würde dieses obligatorische Ding immer schon da liegen. Doch vielleicht hat ein Hund markiert? Oder Wild war länger in der Nähe? Dies sind alles Faktoren, die für das Pferd eine überlebenswichtige Rolle spielen. Hierbei müssen wir unbedingt Verständnis zeigen und dennoch loben und sich freuen, wenn das Pferd dieses "Ding" neu begutachtet und (für heute) für ungefährlich abstempelt.


Keine Angst

vor Rückschritten

Habe auch keine Angst vor Rückschritten - kein Tag gleicht den anderen und nicht jeden Tag ist ein Pferd der gleichen Laune. Genauso wie du es nicht bist. Betrachte jeden Tag als Gegenwart und mach daraus das Beste. Schreibe dir eventuell alles auf, so kannst du gute Tage Revue passieren lassen und dir bei schlechteren Tagen dennoch auch gute Dinge herausziehen - denn man lernt immer weiter und das Lernen ist doch eigentlich immer positiv!


Ab und zu

Risikobereitschaft zeigen

Wenn alles in einem längeren Zeitraum glatt läuft, kann man es sich auch einmal zutrauen ein Risiko einzugehen. Natürlich nur so weit, wie es das Bauchgefühl erlaubt!

Hier auf diesem Bild ist mein Fribi gerade 3 Jahre alt und ich setzte mich für dieses Fotoshooting das erste mal ohne Sattel und Trense einfach mal auf ihn drauf und schaute was passiert. Mein Bauchgefühl sagte mir aber schon vorher, dass es nicht schief gehen würde - ich vertraute ihm also komplett! Dieses entgegengebrachte Vertrauen ist auch der Schlüssel dazu, dass sich in dieser Weise auch unsere Pferde mehr und mehr für uns öffnen. Schließlich bauen wir nicht nur ein einseitiges Vertrauen auf. Pferde schätzen es sehr, wenn man ihnen Vertrauen entgegen bringt, oder für uns "Risiken" eingeht.

 

Jedes Mal, wenn andere sagten, dass es wohl keine so gute Idee ist, hörte ich auf mein Bauchgefühl, brachte ihm mein Vertrauen entgegen und ich wurde dabei niemals enttäuscht! So können wir es uns unseren Pferd schon vorleben und beweisen, dass auch wir in die Pferdepersönlichkeit vertrauen. Genauso wie es für uns ein tolles Gefühl ist, wenn das Pferd uns vertraut, genauso toll fühlt sich das Pferd, wenn es bemerkt, dass wir ihm auch vertrauen!


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