6 Erklärungen, warum das Gebiss im Pferdemaul schädlich ist!

Mein erster Artikel auf meinem früheren Blog, widmete sich der Frage "Zaum mit oder ohne Gebiss".

 

Da ich bis heute einiges mehr in Erfahrung gebracht habe, möchte ich hier nun mehrere Fakten präsentieren, die beim Verwenden eines Gebisses im jeden Fall auftreten.

Ich möchte mit diesem Eintrag niemanden auf den Schlips treten oder beschimpfen. Es sind Studienergebnisse, nach mehreren Jahren Forschung. Diese wird bis heute fortgeführt und es kommen immer wieder neue Erkenntnisse ans Tageslicht. Folgende Fakten beruhen auf die Studie von Dr. Cook, der über 3 Jahre 100 Pferde und Reiter aus allen Disziplinen mit und ohne Gebiss überprüfte.


Punkt 1

Allgemeines über das Pferdemaul

  •  Das Maul ist überzogen mit einer feinen, 2 Millimeter dünnen Haut
  • Mit Drüsen, die Täglich bis zu 40 Liter Speichel produzieren (mit Mineralien und Eiweiß - deswegen wird der Speichel so schaumig und weiß)
  • Die Zunge wiegt 1 - 2 kg und besitzt das !dichteste! Nervengeflecht neben dem Gehirn - so weich und empfindlich, wie die Lippen eines Menschen
  • Die Zunge ist mit einem hauchdünnen Zungenbändchen am Unterkiefer verbunden, welches sehr leicht reisen kann

Punkt 2

Unstimmigkeiten

Uns wird gelernt, dass Pferde abkauen und schäumen sollen - dann ist es durchlässig, zufrieden und wurde gut geritten. Doch wie verhält es sich denn anatomisch? Ein Pferd kann entweder laufen oder fressen, weswegen der Schaum bzw. Speichel ein starkes Hindernis ist im Bezug auf das Atmen. Denn beim Schlucken kommt es in Gefahr plötzlich keine Luft mehr zu bekommen. Wenn wir uns also diese unten und nebenstehenden Bilder ansehen, kann man gut erkennen, wie schaumig dessen Mäuler sind, wie stark die Adern hervor treten und wie aufgerissen die Nüstern sind, weil sie nur mühsam atmen können.

Die Reflexe bestimmen ob geatmet oder geschluckt wird. Wenn das Maul geschlossen ist, atmet es - wird das Maul geöffnet, strömt Luft hinein. Verbunden mit der Berührung an der Zunge (Gebiss bzw. Nahrung) löst es eine Kette aus: Fressen und schlucken! Der weiche Gaumen hebt sich dabei und der Gaumensegel legt den Weg zur Speiseröhre frei. Der Kehldeckel schließt somit gleichzeitig die Luftröhre.


Punkt 3

Das Gebiss "wirkt" wie Nahrung

Nun "denken" die Reflexe beim einlegen des Gebisses, dass jetzt gefressen wird. Der Kiefer, die Lippen und die Zunge bewegen sich und es wird mehr und mehr Speichel produziert - da dies beim Fressen und Verdauen hilft. D. h. sobald Speichel produziert wird, wird automatisch auch  der Parasympathikus (einer der drei vegetativen Nervensysteme) aktiviert. Dieser Teil drosselt dann den Herzschlag und die Atmung, fährt die Aktivität der Muskeln herunter und drosselt auch die im Hirn stattfindenden Prozesse. Damit sich der Pferdeköper nun komplett auf das lebenswichtige "Futter" konzentrieren kann... Das ist auch bei uns Menschen so - und was geschieht während dem Essen und beim Verdauen? Wir werden schläfrig... Genau das passiert dann auch dem Pferd beim Reiten. Während der Parasympathikus aktiviert ist, ist das sympathische Nervensystem (Sympathikus) lahm gelegt, da dieser der Gegenspieler ist. Er soll nämlich wach halten, aktiviert Kampf- und Fluchtreflex, Herz und Lunge, Muskeln und Hirn.


Punkt 4

Die Sache mit der Atmung

Aber das ist noch nicht alles. Weiter oben habe ich das mit der Atmung schon etwas angekratzt. Bei jeder Bewegung der Zunge und des Unterkiefers wird der hintere Gaumen angehoben und erschwert somit die Atmung. Es reicht schon, wenn einfach nur das Gebiss im Maul liegt, die Zunge wird damit automatisch aktiv. Bei hoher Geschwindigkeit kann es sogar passieren, dass der Gaumensegel hoch klappt und sich dann das Pferd am eigenen Gaumensegel verschlucken kann und keine Luft mehr bekommt. Bei Rennpferden wird deswegen meistens die Zunge am Unterkiefer festgebunden, damit jegliche Bewegung der Zunge und das damit verbundene weichen des Gaumens verhindert wird.

 

Im Galopp wird die Atmung an die Bewegung angepasst! Das ist besonders schlimm. Denn, wenn die Vorderbeine in der Luft sind und die Hinterbeine am Boden, atmet das Pferd ein. Wenn die Hinterbeine in der Luft sind und die Vorderbeine am Boden, atmet es aus. Also kommen Taktunreinheiten, Steifheit und Stolpern vom störenden Atemrhythmus. Und wer stört diesen? Das Gebiss und die verbundenen Reaktionen...


Punkt 5

Die Lage des Gebisses

Nun fanden Forscher auch noch heraus, dass viel weniger Platz im Maul ist als vorher angenommen. Und dass die Zunge plan auf dem Gaumen liegt. Das heißt, dass das Gebiss, nicht wie angenommen, auf die Laden wirkt, sondern komplett auf die Zunge.


Punkt 6

Gebisse führen zu...

  • Störenden reaktionen des Verdauungssystems
  • Atembeengender Genickwinkelung
  • Luftröhrendeformationen
  • Kehlkopfpfeifen
  • Vorzeitiger Ermüdung
  • Entzündlichen Atemwegserkrankungen
  • Headshaking
  • Lungenbluten (bei Rennpferden)

Und beraubt dem Pferd die Balance und natürliche Anmut.


Mein Fazit

Nur weil die FN die Anlehnung mithilfe eines Gebisses beschreibt, heißt das noch lange nicht, dass das die einzige Wahrheit ist. Viele Pferdemenschen beweisen heutzutage, dass auch Anlehnung Gebisslos möglich ist und die Pferde so einen zufriedeneren Gesichtsausdruck haben. Denn sie müssen sich nicht mit den ganzen Reflexen auseinander setzen, die folgen, wenn ein Gebiss eingeschnallt wird.

Ich hatte irgendwie immer ein etwas mulmiges Gefühl mit Gebiss zu reiten, weil ich einfach nicht glauben konnte, dass das für Pferde tatsächlich "ok" wäre... Später, bei meinem eigenen Pferd erfuhr ich, wie stark sich die Veränderung auswirken kann, wenn man zur gebisslosen Variante wechselt.

Mein Araber-Mix war kein neurotischer Durchgänger, aber er drehte relativ schnell hoch und war kaum mehr ruhig zu bekommen. Und ich hatte das Gefühl, dass das Gebiss das Ganze auch noch verschlimmert. Er konnte nicht mal richtig den Hals fallen lassen.  Als Unwissende, ging ich also in ein Reitsportgeschäft und kaufte mir auf Empfehlung meiner Reitlehrerin ein Gebiss mit Shanks, welches auch die Zunge unter Kontrolle hielt (da er dazu neigte, die Zunge über das Gebiss zu legen - hier auch wieder ein Indiz zu Punkt 5!!!). Ich schlenderte noch herum und sah noch einen gebisslosen Zaum, ein SidePull mit zwei Rohhaut Seilen als Nasenstück. 

Wieder im Stall, schnallte ich erst einmal das neue, schärfere Gebiss ein. Wie mein Kleiner sich schon da wehrte, nur weil es in seinem Maul lag, ließ mir einen Schauer über den Rücken laufen. Ich glaube, das war der Punkt, an dem mir die Rosarote-Gebiss-ist-toll-und-notwendig-Brille von den Augen fiel... Ab diesem Zeitpunkt, legte ich nie wieder ein Gebiss in sein Maul.

Ich probierte also meinen nächsten Ausritt mit dem SidePull. Es lief fabelhaft! Er war so viel ruhiger, er ließ den Hals richtig fallen und schnaubte ab! Auf dem Reitplatz hingegen, wehrte er sich wieder, da ihm anscheinend die zwei dünnen Seile recht weh taten. Zum Glück war meine Tante derzeit auch auf der Suche nach einem gebisslosen Zaum und empfahl mir das Glücksrad (oder auch LG-Zaum), da man damit auch vernünftig arbeiten könnte. Also bestellte ich ihn und seitdem, also mittlerweile 5 oder 6 Jahre, wird er damit geritten.

Was ist so schlimm daran, einmal einen gebisslosen Zaum auszuprobieren? Wirklich einmal vergleichen, mit was läuft alles besser, mit was ist das Pferd am zufriedensten? Lassen wir doch die Pferde entscheiden, mit was sie am liebsten trainiert werden wollen!

Hast du so etwas schon einmal ausprobiert? Es würde mich freuen, wenn du mir deine Geschichte in die Kommentare schreiben würdest!


Das Gebiss

ist nur so scharf wie die Reiterhand

Das ist ein Satz, der sehr gerne als Argument benutzt wird um das Reiten mit Gebiss zu befürworten. Wenn man sich jedoch das Ganze durch liest, erkennt man, dass die Reflexkette schon anfängt, sobald das Gebiss ins Pferdemaul gelegt wird.

 

Das soll natürlich kein Freifahrtschein sein, dass jeglicher gebissloser Zaum Pferdefreundlicher ist. Das stimmt überhaupt nicht. Es werden so vielleicht nicht diese Reflexe aktiviert, jedoch kann man mit einem gebisslosen Zaum  erheblichen Schaden anrichten, wenn man es zu Kontrolle und zum Zwang benutzt.

 

Auch bei einer gebisslosen Trense sollte man genau darauf achten, keine Folterinstrumente zu kaufen!


Beispiele

Gebissloser Zäumungen

SIDEPULL FÜR DIE ANLEHNUNG: Das SidePull ist relativ beliebt, da es recht simpel in der Handhabung ist. Hier meine ich den Zaum, der ein weiches Nasenstück hat, der mit Rohhaut ist nur für das Signalreiten geeignet!

GLÜCKSRAD FÜR DIE ANLEHNUNG: Hier ist der Zügel in der Speiche eingeschnallt, in der keine Hebelwirkung entsteht. Somit ist es auch für die Anlehnung geeignet. Schnallst du in eine oder zwei Speichen weiter vorne ein, hast du die Möglichkeit etwas mehr Einwirkung zu haben (siehe Zitat von Prof. Dr. Preuschoft bei "Glücksrad mit Hebelwirkung"). 

WICHTIG! Bei der Verschnallung der gebisslosen Zäume unbedingt darauf achten, dass das Nasenstück auf dem verknöcherten Teil der Nase liegt. Wenn du die Nüstern mit den Fingern langsam hinauffährst, merkst du ab wann die "Löcher" zu sind - Erst hier sollte der Nasenriemen aufliegen!

HACKAMORE FÜR DAS SIGNALREITEN: Die Hackamore ist auch gut verbreitet. Diesen sehe ich häufig im Gelände an Pferden. Nicht zu unterschätzen ist der lange Hebel, der ein vielfaches an Druck weiter gibt, als du es am Zügel eigtl. geben willst!

GLÜCKSRAD MIT HEBELWIRKUNG:  (Verbesserung Januar 2016) 

Zitat von Prof. Dr. Preuschoft: "Der LG-Zaum ist selbst in der optimalen Verschnallung NICHT mit einer Hackamore zu vergleichen, da er bei z. B. 5 gr. Zügelzug - durch die Drehung des Speichenrades - lediglich 7,5 gr. erzeugt."

Dieser Nachtrag ist für das Glücksrad ohne Shanks sehr wichtig, da es häufig Diskussionen gibt, dass die Hebelwirkung, die entsteht, wenn man ein oder zwei Speichen weiter vorne einschnallt, gleichzusetzen ist, wie bei einer Hackamore. Dies wurde ja nun durch Prof. Dr. Preuschoft widerlegt. Da ich wohl hier zu unsichere Quellen hatte, möchte ich zu dem Glücksrad mit Shanks nicht sagen, dass sie wie eine Hackamore funktioniert - da eventuell auch hier die Speichen eine Rolle spielen könnten. Am besten man probiert es einfach selbst aus, auf was das Pferd gut und schmerzfrei reagiert.


Hier noch

ein Video und mehr zum lesen

Maksida Vogt interviewt Hiltrud Straßen über die Hufe und zuletzt noch über das Gebiss - ab Minute 14:40!

Es gibt mittlerweile so viele Möglichkeiten etwas Passendes für sich und sein Pferd zu finden! Wir haben es in der Hand das Pferd gerechter zu trainieren und ihm diese schlimmen "Neben"-Effekte zu ersparen...


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Kommentare: 16
  • #1

    MC (Samstag, 17 September 2016 00:32)

    Tolle Seite, kann dir nur zustimmen mit dem Gebisslos.
    Gruss

  • #2

    Chrissi | Horsensation (Montag, 17 Oktober 2016 15:27)

    Hallo MC,

    danke für deinen Kommentar, das freut mich!

    LG

  • #3

    Sabine (Freitag, 13 Januar 2017 11:41)

    Ich kann jedes Wort nur unterstreichen. Seit 2 Jahren reite ich mit LG und seitdem gab es keine Sekunde , in der ich dachte, das wäre mit Gebiss besser gelaufen. Mein Pferd ist zufrieden und das ist für mich das wichtigste. Ich rate jedem Reiter, es einfach mal zu probieren und somit seinem Pferd wenigstens die CHANCE auf ein angenehmeres Leben zu geben.LG

  • #4

    mashanti martine loesch (Freitag, 13 Januar 2017 11:52)

    Ganz wunderbar erklärt, so dass es auch die Anhânger von Gebissen verstehen sollten. Danke

  • #5

    irina pawassar (Freitag, 13 Januar 2017 13:46)

    Toll.
    Ich habe mir gebissloses Reiten schon als Kind gewuenscht und als ich mein erstes Pferd hatte, vor ueber vierzig Jahren, als alle noch laut aufschrien wegen der "Gefahr" und den Versicherungen ! Es hat sich so sehr viel vor allem in Deutschland getan. Ein ganz neues feineres Bewusstsein fuer die Pferde und das Reiten. Dank solcher Artikel und Recherchen wie diese. Mein grosses Kompliment. Pferde sind lange genug geschaendet und gequaelt worden.

  • #6

    Isabel (Freitag, 13 Januar 2017 16:49)

    Jein, hier werden z.T. Dinge miteinander vermischt. Und warum eigentlich muss man das ganze immer mit Fotos von verschnürten, aufgerissenen, schäumenden, brutal-gerittenen Pferden unterstreichen? Das Thema Gebiss kann man sehr gut von Sperriemen, tief nach hinten wirkender ziehender Reiterhand und angezogenen Hebelgebissen etc. trennen.

    Es kommt tatsächlich auf die Handhabung der Zäumung an. Mit dem Gebiss kann ich sowohl auf die Zunge einwirken (Quetschen) (FN-Reitweise) oder in die Maulwinkel (Legerete). Der Unterschied ist enorm. Mit gebisslosen Zäumungen, kann ich ebenso unsensibel einwirken, scharfe Zäumungen (Knotenhalfter wird unterschätzt) haben... Gebisse sind nicht dazu da (wie auch gebisslose Zäumungen) das Pferd damit über massiven Zügelanzug zu bremsen. Das ist eher ein Ausbildungsfehler als eine Funktion irgendeiner Zäumung.

    Ich habe bei meinen Pferden nicht die Erfahrung gemacht, dass sie diese beschriebenen Reaktionen (schäumen, pumpen, Adernraustreten, Maulaufreißen, Zunge drüber etc.) machen. Alle meine Pferde sind schonend gebisslos ausgebildet, Gebisse verwende ich erst, wenn die Grundlangen funktionieren. D.h. keines der Pferde hat schlechte Erfahrung mit Gebissen gemacht. Mein erstes Pferd habe ich vier Jahre gebisslos geritten um dann festzustellen, dass er noch einen Tick besser mit Gebiss zur gymnastischen Arbeit läuft (nicht das er sonst schlecht läuft). Ich kann ihn damit tatsächlich feiner Arbeiten, mit sehr sehr viel Fingerspitzengefühl. Keins der Pferde ist auf absoluten Gehorsam trainiert und somit "mundtod" gemacht - sie äußern deutlich, wenn ihnen etwas missfällt.

    Was an problematischen Aspekten bleibt ist das Kauen und Laufen. Tatsächlich ist das warscheinlich abhängig von der Geschwindigkeit. Pferde laufen ja im Regelfall beim Essen im Schritt umher von Grashalm zu Grashalm. Ponys können auch im Trab und Galopp noch essen, wenn das Gras praktisch in den Mund wächst. Für Hochleistung ist das ev. ungünstig.

    Bei einem Pferd, dass "normal" - weniger schonend und zu schnell und unsensibel eingeritten ist, schlechte Erfahrung mit Gebissen hat, würde ich tatsächlich erstmal nur noch Gebisslos reiten.

    Ich bin ein großer Freund des gebisslosen Reitens, und des Ausprobierens: jedes Pferd ist anders, genauso wie die Reiterhand, die auf die Zäumung einwirkt.

    Leider ist Gebisloses Reiten nicht als "ausreichende Einwirklung" im Straßenverkehr anerkannt. Man sollte zumindest wissen, dass man im Falle eines Unfalles strafrechtliche Konsequenzen tragen kann.

    Zum Video: Strasser als Barhufbearbeitungsmethode ist mittlerweile sehr umstritten, aufgrund invasiver Bearbeitung, die sehr sehr schmerzhaft für die Pferde sein kann. Meiner Meinung nach kein Beispiel für pferdegerechte Barhufbearbeitung.

  • #7

    Sabine (Freitag, 13 Januar 2017 19:11)

    Stimme absolut mit dem Artikel überein! Ich bekam meinen Wallach mit Kieferbruch der schlecht verheilt war.. er ging dauernd durch..als der Tierarzt kam und mir diese Diagnose mitteilte war ich geschockt.. er bekam nie wieder ein Gebiss ins Maul! Alle unsere Pferde sind gebisslos unterwegs auch mit meinen Kindern! Unsere jüngste Stute wurde gebisslos ausgebildet und ist sehr fein darin. Also Gebiss braucht nur der Mensch um seinen Kontrollzwang durchzusetzen aus Angst vor Kontrollverlust! Meine Meinung :-) danke für den Artikel :-)

  • #8

    Jana (Freitag, 13 Januar 2017 21:44)

    Puh. Schwieriges Thema. Ich kann dem auf gar keinen Fall völlig zustimmen. Dazu habe ich zu viele gegensätzliche Erfahrungen gemacht.
    Vorab: Ich reite sowohl mit als auch ohne Gebiss. Ich reite auch oft völlig ohne Zäumung, und ja, auch im Gelände. Ich bin weder völlig für noch gegen Gebiss/gebisslos.
    Aber: In meinen Augen hat beides Vor- und Nachteile. Und vor allem passt nicht alles für jedes Pferd..

    1. Die in diesem Artikel gewählten Bilder schildern Extremsituationen, die ich so auch nicht gutheißen kann. Jedoch habe ich auch schon viele Pferde gesehen, die mit Gebiss total entspannt und zufrieden laufen. Die Bilder sind alles andere als objektiv sondern bewusst manipulativ ausgewählt. Finde ich nicht ganz fair, bei einem Artikel der sich wissenschaftliche Studien und Fakten auf die Fahne schreibt.

    2. Das kauen/schäumen/schlucken
    Dass es für die Atmung ungünstig ist wenn das Pferd schäumt und schluckt ist völlig logisch. Jedoch ist das meiner Erfahrung nach kein Problem des Gebisses. Mein Pferd schäumt ohne Gebiss mindestens genauso viel wie mit, eher sogar mehr. Das bedeutet nicht dass sie übertrieben Schaum vorm Maul hat, aber ein kleiner "Lippenstift" ist es schon. Mit Halsring wie mit Dressurkandare. Ich kann hier keinen Zusammenhang mit dem Gebiss erkennen.
    Das kauen ansich hat ja sogar positive Eigenschaften, es lockert das Genick und damit lockert sich der gesamte Rücken, das Pferd bekommt die Möglichkeit diesen aufzuwölben und den Reiter dadurch gut zu tragen. Nicht falsch verstehen - dazu braucht es nicht unbedingt ein Gebiss. Auch hier besteht bei korrekter Ausbildung kein Zusammenhang.

    3. Ich habe bisher bei keinem meiner mit Gebiss gerittenen Pferde feststellen können, dass irgendwelche Adern hervortreten und sie die Augen oder Nüstern aufreißen. Klar, bei extrem anstrengender Arbeit sind die Nüstern schonmal gebläht. Das sind sie aber auch ohne Gebiss, bei Anstrengung schnauft man nunmal. Mensch wie Pferd, ganz normales Phänomen.
    Natürlich kann man das mit dem Gebiss provozieren, das ist aber weniger ein Problem des Gebisses als mehr eines der Reitweise. Auch ohne Gebiss ist es möglich ein Pferd so sehr zu stressen und unter Druck zu setzen.

    4. Es kommt immer auf das Pferd an!
    Ich kenne Pferde, die sind mit Gebiss nicht glücklich und kaum werden sie gebisslos geritten hat man ein völlig anderes Pferd unter sich.
    Ich kenne Pferde, die machen sich mit gebissloser Zäumung steif, verwerfen sich im Genick, knallen auf die Vorhand, sind total angepisst. Mit Gebiss das absolute Gegenteil. Und nein, diese Pferde wurden nie dazu gezwungen sich dem Gebiss zu unterwerfen.
    Und ich kenne Pferde denen es schlicht egal ist. Die ohne Gebiss genauso zufrieden laufen wie mit.
    Ich kenne Pferde die mit Gebiss geritten werden und mit weggedrücktem Rücken auf der Vorhand laufen. Genau das Gleiche mit gebisslos gerittenen. Auch hier scheint es also keinen Zusammenhang zu geben.

    Das klingt jetzt so als würde ich das Gebiss unbedingt verteidigen wollen, aber so ist es nicht. Ich weiß, dass ein Gebiss immer mit Vorsicht zu genießen ist. Aber so schwarz-weiß wie hier dargestellt ist es nicht, zumindest nicht meinen Erfahrungen nach. Und tut mir leid, aber ich glaube lieber dem was mir meine Pferde über ihre Zäumungsvorlieben erzählen als irgendjemand anderem. Wenn Pferd sagt es möchte kein Gebiss, dann ist das für mich völlig ok. Dann ist das für dieses Pferd in dieser Situation das Richtige und dann habe ich mich daran auch zu halten. Aber nicht jedes Pferd hat die gleichen Vorlieben, und die Vorlieben eines Pferdes bleiben nicht immer gleich. Wer sein Pferd wirklich kennt wird das merken und sollte dann flexibel reagieren und sich nicht auf eine Sache einschießen, nur weil irgendwer behauptet das sei "richtig".

    Ich könnte noch sehr viel mehr zu diesem Thema schreiben und es ist noch viel komplexer als in diesem Artikel und auch in meiner Antwort dargestellt. Denn es gibt nunmal nicht nur die Unterscheidung zwischen mit und ohne Gebiss. Aber das sprengt hier den Rahmen, deshalb belasse ich es dabei.

  • #9

    Markus Eschbach (Freitag, 13 Januar 2017 22:08)

    wunderbar geschrieben, vielen Dank! Wir reiten seit 20 Jahren alle unsere und alle Trainingspferde gebisslos. Liebe Grüsse aus der Schweiz, Markus und Andrea

  • #10

    Maren Kühnert (Samstag, 14 Januar 2017 13:35)

    Hallo,
    Zu dicke,zu dünne, zu kurze,zu lange Gebisse, falsches Metall, scharfkantiges altes Gebiss,schlechte Zähne des Pferdes UND GANZ OFT UNERFAHRENHEIT DES REITERS SCHADEN DEM PFERD.

    Aber auch wie die Bilder beschreiben die Kraft auf das sensible Maul und die messerscharfen Unterkieferknochen die unter dem Zahnfleisch liegen, dies sollte jeder wissen,der seinem Reitpartner ein Gebiss ins Maul legt, im Ausland wie am Rappen zu sehen,wohlgefühlt, uralt vererbten Geschirr,Sattel.... diese ArbeitsPferde werden wir leider nicht alle freilaufen können, am Besten jeder fängt bei sich an in kleinen Stücken etwas zu verbessern, denke ich.
    Lg

    Ich bitte auch alle Reitlehrer/innen mehr Theorie einzubauen, mal ohne Trense oder Sattel zu unterrichten,

  • #11

    Gesine (Montag, 16 Januar 2017 11:26)

    Danke, für die wissenschaftlichen Belege. Fast alle Pferdemenschen glauben, daß Gebiss entspricht der Norm, so muss das. Seit dem ich eigene Ponys habe, trainiere ich ausschließlich gebisslos. Mein kleines Shetty zeigte mir ganz deutlich, dass es anders geht. Meine Ponys wollten alle nicht mal das Gebiss ins Maul nehmen. Mein Reitpony ist Headshaker. Ich frage mich oft, wo es her kommt. Gebisslos ist sie offener und einfach zufrieden. Kein Widerstand mehr, weil es schmerzt. Wenn man gebisslos und ohne Sporen reitet, kann man von Hilfen sprechen. Sonst ist es Zwang und Schmerz.

    Ich hoffe, viele andere sehen sich ihre Pferde ganz genau an und hören ihnen zu.

  • #12

    Chrissi | Horsensation (Montag, 16 Januar 2017 12:54)

    Wow! Ein neuer Feedback Rekord ☺ Vielen Dank an alle, die hier ihre Meinungen nieder geschrieben haben! Leider habe ich keine direkte Antwort-Funktion, deswegen werde ich hier gesammelt auf eure Kommentare antworten.

    Danke erst einmal an alle, die sich durch meinen Bericht noch mal bestätigt gefühlt haben, bzw. schon lange auf das Gebiss verzichten. Es ist einfach schön zu lesen, wie viele auf ihre Pferde hören und ihnen ein gerechteres Leben ermöglichen!

    Und nun zu den "Kritikern" ☺

    Liebe Isabel,
    die Fotos habe ich deswegen gewählt, weil sie einfach am deutlichsten zeigen, was beim Reiten mit Gebiss passiert. Genauso auch die Bilder auf Zigarettenschachteln - Diese sind auch überdeutlich, es muss nicht so sein aber es zeigt was eben im Extremfall geschehen kann.
    Wenn du noch keine solche Erfahrungen gemacht hast, dann gehst du mit Sicherheit auch sehr gut mit dem Gebiss um - und das spricht ja für dich! Jedoch sollte man trotzdem beachten, was bereits geschieht, wenn das Gebiss nur im Maul liegt. Das Ganze ist ähnlich vergleichbar mit ungesunden Situation bei uns im Alltag, wie Stress, FastFood, schlechte Sitzhaltung etc. Umso mehr wir uns mit diesen Dingen "umgeben", umso ungesünder ist es für uns. Wir bemerken es auch nicht so schnell, erst wenn die ersten Auswirkungen kommen, wie Schlafstörungen, Nährstoffmängel, Rückenschmerzen... Genauso kann es sich mit dem Reiten mit Gebiss sammeln. Es gibt aber auch Menschen, die können sich mit diesen ungesunden Situationen umgeben und werden nie an irgendwelchen Auswirkungen leiden, weil sie vielleicht anders damit umgehen, sich nicht so häufig oder stark damit belasten. So kann es natürlich auch für diese Pferde sein, die Jemanden haben, der sie so reitet, wie du es vielleicht tust.
    Diese ganzen Fakten KÖNNEN auftreten, MÜSSEN aber natürlich nicht zwangsläufig! Dennoch sollten diese "Risiken" einfach bekannt sein. Damit man sich ein sensibleres Bewusstsein dafür entwickeln kann. Dann kann man auch offener mit der Entscheidung seines Pferdes umgehen.

    Und damit schließe ich gleich weiter an:

    Liebe Jana,
    das was du beschreibst, ist wirklich toll! Man merkt deutlich wie viele Gedanken du dir machst und dass du sehr offen gegenüber zwei völlig unterschiedlichen Hilfsmitteln bist. Ich hatte beim durchlesen keinesfalls das Gefühl, dass du das Gebiss unbedingt verteidigen wolltest - im Gegenteil. Du hast einfach die Pferde mitreden lassen. Wie du schon so schön beschrieben hast, den einen juckt es gar nicht, egal was man ihm an den Kopf schnallt und den anderen macht das Gebiss oder das Gebisslose unglücklich. Deine Anmerkung, dass es auch völlig egal sein kann, was man dem Pferd anlegt, es läuft so oder so schlecht - finde ich sehr wichtig! Denn natürlich geht es vor allem darum, dass man das Pferd gesund reitet! Für mich ist es nun einmal ohne Gebiss. Wenn du es lieber mit Gebiss machst, weil das Pferd damit umgehen kann - dann ok! Wie schon bei der Antwort an Isabel beschrieben, nicht jedem Menschen (oder jedes Pferd) schlagen "ungesunde" Lebensweisen direkt auf die Gesundheit. Und wenn du so viel Abwechslung hinein bringst und nicht jeden Tag mit Gebiss trainierst, werden wohl auch weniger dieser Reaktionen hervor gerufen.

    Dennoch: Es ist immer Kritisch zu sehen, wenn man mit Gebiss reitet, da man damit einfach sehr viel Schaden anrichten kann... Natürlich auch mit gebisslosen Zäumungen, aber das habe ich bereits im Artikel erwähnt.
    Es sind diese kleinen Dinge im Pferdekörper, die immer wieder passieren, sobald man ein Gebiss ins Maul legt. Die einen vertragen es länger/besser, die anderen nicht... Es liegt an uns, was wir mit dem Wissen anstellen und wie wir damit umgehen.

    LG an alle und danke für den sachlichen Meinungsaustausch! Es bedeutet mir sehr viel, dass hier nur ernsthafte und respektvolle Kommentare nieder geschrieben wurden! ♥

  • #13

    FRIEDHELM DEWALD (Mittwoch, 25 Januar 2017 12:51)

    Die letzten Tage drängt sich mir immer mehr
    der Gedanke auf, wenn das Reiten mit Gebiss den Pferden soviele Probleme und Schmerzen bereitet, daß dies ein tierquälerischer Akt ist. Warum hat noch keine der namhaften Tierschutzorganisationen geklagt und die
    Misere vor Gericht gebracht?
    Oder habe ich da was verpasst?

  • #14

    Chrissi | Horsensation (Mittwoch, 25 Januar 2017 13:28)

    Lieber Friedhelm Dewald,

    natürlich wird das Reiten mit Gebiss nicht als tierquälerischer Akt von einer namhaften Tierschutzorganisation vor Gericht gebracht - es ist ja schon schwierig genug die Rollkur und/oder das "Zuschnüren" von Sperrriemen (und ähnliches) zu stoppen. Obwohl das ständig öffentlich fabriziert wird. Das Problem liegt einfach an der Menge. Man kann nicht jeden Menschen verklagen, der mit Gebiss reitet ;-) Wichtig ist einfach, dass jeder von uns bei sich selbst anfängt und überprüft, ob man denn wirklich ein Gebiss braucht um korrekt reiten zu können. Und ob das Pferd, mit dem man arbeitet, nicht einfach auch besser gebisslos zurecht kommt. Und Peta würde ja am liebsten das Reiten allgemein verbieten ;-) Nur mal so am Rande...

    LG! ☺

  • #15

    Shari (Dienstag, 28 März 2017 18:05)

    Hallo, zuerst: sehr guter Beitrag, ich hoffe er gelangt an viele Pferde Menschen :-) Ich reite seit Jahren nur Gebisslos mit der natural hackamore oder eben dem "Knotenhalfter mit gebundenen Zügeln" falls der Begriff nicht bekannt ist. Oft ist es auch einfach der Halsring. Selbst mit diesem ist es möglich eine Anlehnung zu finden. Da selbst eine perfekte Aufrichtung in hohen Dressur Lektionen komplett ohne Zaum möglich ist ( siehe Birger Gieseke und Tony Lander, Honza Blaha usw.), sollte der Gedanke einer gebisslosen Zäumung hoffentlich schon bald in allen Reiterköpfen auch damit verbunden sein, ein Pferd "korrekt" reiten zu können. :-)
    Selbst wenn ich an Sicherheit denke, die viele Gebissreiter als Argument gegen gebisslose Zäumungen verwenden, fühle ich mich deutlich sicherer ohne. Denn ein Pferd in einer Notsituation anzuhalten ist mit einem Gebiss im Maul deutlich schwieriger. Durch Zug nach hinten, der dem Pferd vermutlich in seiner Panik noch Schmerzen bereitet, oder bei Pferden die ihren Ausweg dadurch finden komplett "zu" zu machen, sehen die Karten sicher nach Haus zu kommen eher schlecht aus. ;-)Anhalten kann nur der, der den Motor ausstellt, und der sitzt in der Hinterhand des Pferdes, die mit Knotenhalfter mit einer schnellen Biegung, schnell an Geschwindigkeit verliert. :-)
    Also ist das doch alles auch noch etwas was dafür spricht es einfach mal auszuprobieren :-)
    Weiter so!
    Liebe Grüße Shari

  • #16

    Mirja (Sonntag, 30 April 2017 17:26)

    Mein Pferd war absolut ungluecklich mit jeglichen Gebiss das wir ausprobiert haben, der Wolfszahn wurde gezogen und doch keine Veraenderung bis meine Trainerin mir den LG Zaum vorschlug, welches mein halb Araber super dankbar und zufrieden annahm.
    Ich zog nach England und wir sind die absolute Ausnahme und werden bewundert das mein Pferd so toll sich selbst traegt und ,, kontrollierbar ist,, er ist so weich und sensibel wie nie zuvor und ich bin einfach nur dankbar das wir diesen Weg gefunden haben.
    Wir sind reine Freizeit und Western Reiter und mein Pferd wird mit minimaler Anlehnung geritten und traegt sich wunderbar sich selbst.
    Angefangen hat alles das meine Trainerin mich auf den eng geschnallten Nasenriemen aufmerksam machte, und so wurde meine Trense weniger u weniger und ich lernte ,,weniger ist mehr.,,